Ein grundlegender Wandel: Blockchain-Initiative bei Bisnode

Die bahnbrechende Technologie transformiert ganze Wertschöpfungsketten. Kunden von Bisnode profitieren von präzise abgestimmten Datensätzen in höchster Qualität und Geschwindigkeit.Bitcoin

Der Blockchain-Trend ist der Anlass für Bisnode, Chancen und Möglichkeiten der innovativen Technologie eingehend zu evaluieren. „Als einer der führenden Anbieter für digitale Wirtschaftsinformationen in Europa müssen wir im Hinblick auf das Thema Blockchain souverän handeln“, sagt Jörg Bollow, Executive Director Marketing von Bisnode Deutschland. Das mittelfristige Ziel für die Blockchain-Initiative von Bisnode steht deshalb bereits fest: „Wir werden das Thema in Deutschland aufarbeiten, um dann auch unsere anderen Standorte zu sensibilisieren“, so Bollow.

Der erste Schritt auf diesem Weg erfolgte im März zusammen mit der Managementberatung LEADVISE. „Wir arbeiten schon seit einiger Zeit mit LEADVISE zusammen und schätzen insbesondere das Zusammenspiel von strategischer Beratung mit Umsetzungsstärke“, erörtert Bollow. LEADVISE hat nun eine Matrix entwickelt, um die Blockchain-Potenziale eines Unternehmens zu analysieren. Das Prinzip: Die Kernprozesse des Geschäftsmodells werden mit den acht Attributen der Blockchain-Technologie – den sogenannten Blockchain-Versprechungen – konfrontiert. So werden die Kernprozesse auf ihr Blockchain-Potenzial geprüft.

Ein neues Paradigma?

Für Bisnode stellt sich die Frage, ob Blockchain ein neues Paradigma für den Austausch von Informationen einläutet wie einst das Internet. Das revolutionierte den Austausch herkömmlicher Informationen, jeder kann heute mit minimalen technischen und finanziellen Mitteln seine Inhalte global distribuieren. „Blockchain bringt den grundlegenden Wandel. Die Technologie hat das Potenzial, den Austausch werthaltiger Informationen nachhaltig zu revolutionieren“, prognostiziert Bollow. Es geht vom Transfer geistigen Eigentums und von Wählerstimmen bis hin zur Identifikation von Diamanten wie beispielsweise beim Start-up Everledger (siehe Seite 12).

Das Internet fürs Geld

Die Analogie zum Internet zeigt einen wichtigen Unterschied zwischen Web-Technologien und Blockchain: Im Internet werden Informationen an ein unbegrenzt großes Publikum vermittelt. In Bezug auf Eigentumsrechte sind so zum Beispiel große TV-Sender, Zeitungen und Verlage, die Musikindustrie, die Kreativbranche oder auch Lehr- und Forschungsinstitutionen bedroht. Erst durch die Möglichkeit, im Internet zu bezahlen, ist der Online-Handel entstanden und hat für weitere extreme Umwälzungen gesorgt, beispielsweise durch Amazon oder den iTunes-Store von Apple. Die Blockchain könnte nun wiederum die Bezahlmethoden des Internets auf den Kopf stellen. Nicht nur, weil sie das Bezahlen sicher und effizient macht, sondern weil man mit ihr weitere Aktionen verknüpfen kann – beispielsweise einen Download. „Die Blockchain ist das Internet fürs Geld. Ab jetzt können wir Geld wie Daten behandeln, das ist das unfassbar Neue, was gerade passiert“, wird Andrei Martchouk vom Schweizer Krypto-Start-up Yacuna von Heise zitiert.

Jörg Bollow Executive Director Marketing Germany

 

„Blockchain bringt den grundlegenden Wandel. Die Technologie hat das Potenzial, den Austausch werthaltiger Informationen nachhaltig zu revolutionieren.“

Jörg Bollow, Executive Director Marketing Bisnode Deutschland

Blockchain bei Bisnode

Was aber kann Bisnode von den Blockchain-Versprechen realistisch erwarten? Auf jeden Fall gibt es bei Bisnode diverse Prozesse, deren Effizienz durch eine Blockchain gesteigert werden kann. Der konventionelle Datentransfer beispielsweise umfasst typische Schritte wie die Erfassung, Kontrolle, Buchung, Übertragung und Dokumentation von Daten sowie deren Veränderungen. Manches funktioniert automatisch, an anderen Stellen sind Menschen beteiligt.

Mit einer Blockchain wären diese Daten an allen beteiligten Datenknoten quasi per Knopfdruck sofort aktualisierbar. „Ob eine Buchung authentisch und richtig ist, können die Teilnehmer des Peer-to-Peer-Netzwerks dann bei sich selbst und bei anderen prüfen“, erklärt Bollow. Vieles, was heute noch manuell erfolgt – etwa Kontrollen, Buchungen und Dokumentationen – wird in einem Blockchain-Netzwerk automatisiert, muss also nur einmalig erledigt werden. Ein einmal erfasster Datensatz stünde umgehend allen beteiligten Instanzen zur Verfügung, ebenso wie jede Änderung oder Anreicherung, die der ersten Eingabe folgt. Jörg Bollow: „Die unmittelbare Verteilung aller Daten an das gesamte Netzwerk führt folglich zu einer vollkommenen Transparenz.“

Option: Private Blockchain

Was in der Theorie ganz einfach klingt, muss in der Praxis allerdings noch ein paar Hürden überwinden (siehe rechte Seite). Angefangen beim Wandel der Wertschöpfungskette von Bisnode über die Klärung juristischer Grundlagen sowie die Definition verlässlicher Standards für Datenquellen bis hin zur Beantwortung offener Fragen des Datenschutzes. Eine praktikable Annäherung könnte für Bisnode die Einführung einer privaten Blockchain sein. So ein geschlossenes Netzwerk mit einer begrenzten Anzahl von Teilnehmern hätte viele Vorteile: Die Identität der Teilnehmer wäre bekannt. Das ermöglicht, gemeinsame, von allen akzeptierte Regeln für die Nutzung der Blockchain vertraglich zu vereinbaren. Darüber hinaus bedeutet ein definiertes Netzwerk eine kontrollierbare Anzahl an Transaktionen. Probleme mit technischen Kapazitäten dürften so gar nicht erst entstehen. Selbst Datenschutz- und Compliance-Richtlinien ließen sich nach Bedarf entwickeln.

Reibungsloser Datenflow

In diesem Szenario bestünde für Bisnode das Ziel insbesondere darin, eine technische Infrastruktur zu schaffen, die einen möglichst reibungslosen Datenflow organisiert. Erforderlich sind dafür mit allen Teilnehmern entwickelte Abläufe und Regeln. Grund: Der Erfolg einer geschlossenen Blockchain hängt – neben der funktionierenden Technik – stark von den zugrunde liegenden Kooperationsverträgen ab. Dabei könnte Bisnode seine Datenzulieferer mit bemerkenswerten Erleichterungen locken: So wäre es möglich, die Dateneingabe zu vereinfachen, indem vorausgefüllte Masken zur Verfügung stehen. „In einer Bisnode-Blockchain wäre es ein Leichtes, einen Datensatz routiniert zu prüfen und die Daten gegebenenfalls mit zusätzlichen Informationen anzureichern“, sagt Bollow.

Die Vorreiterrolle einnehmen

Im optimalen Fall nimmt Bisnode beim Thema Blockchain eine Vorreiterrolle ein, weil das Unternehmen einen Standard entwickelt, der Datenquellen und Kunden in einer geschlossenen Blockchain zusammenführt. Um das zu erreichen, gilt es, das technische Know-how für die Implementierung einer solchen Blockchain aufzubauen. Zugleich müssen die Datentransfervorgänge juristisch abgesichert und entsprechende Kooperationsverträge entwickelt werden.

Hochqualitative Daten

„Mit diesem Programm können wir unsere bestehende Kernkompetenz als Aufbereiter und Verteiler von wertvollen Daten deutlich ausbauen und uns einen Namen als zukunftsfähiger Provider für den Datentransfer via Blockchain machen“, erklärt Bollow die Strategie. Das dürfte in der Folge das aktuelle Geschäftsmodell verändern. Bedeutete das Leistungsversprechen bisher, hochqualitative Daten zu filtern, käme nun die Kompetenz hinzu, eine effiziente und sichere Infrastruktur für die Analyse und den Austausch von Daten zur Verfügung zu stellen. Denn die Übertragung des Blockchain-Prinzips auf das Geschäftsmodell von
Bisnode würde auch bedeuten, dass Datenhistorien verfügbar sind. Der Datenbestand wäre dadurch wesentlich umfassender vernetzt. Ein höchst attraktives Territorium für Big-Data-
Mining und Risikoanalysen jedweder Art.

Big-Data-Business

Die technische Infrastruktur der Blockchain ermöglicht somit ein Big-Data-Business, das Bisnode Kunden präzise abgestimmte Datensätze in hoher Qualität und Geschwindigkeit zur Verfügung stellt. „Wir müssen noch einige Punkte klären, ehe wir uns an die Umsetzung einer Blockchain wagen“, so Bollow, „aber wir entwickeln zunehmend konkrete Visionen und Pläne.“

Vier Hürden, die für eine erfolgreiche Blockchain-Implementierung bei Bisnode zu überwinden sind.

  1. Die Blockchain-Technologie vereinfacht, beschleunigt und vergünstigt die Beschaffung von Daten. Das verändert die Wertschöpfungskette von Bisnode. Möchte man das Blockchain-Prinzip auf die gesamte Wertschöpfungskette des Unternehmens anwenden, müssen Behörden und Kunden eingebunden werden. Damit sich die neue Transfermethode fest etablieren kann, muss schlussendlich auch die Politik reagieren. Denn die Marktteilnehmer nehmen die innovative Form der Wertübermittlung nur an, wenn für entsprechende Rahmenbedingungen gesorgt ist.
  2. Die Übertragung von Eigentum via Blockchain ist gesetzlich noch nicht geregelt. Ähnlich wie beim Medienrecht wäre gerade bei der Übertragung von Eigentumsrechten wichtig, dass die juristischen Grundlagen geklärt sind. Die Recht-s-prechung müsste auf Fälle ausgeweitet werden, bei denen Verträge automatisch abgeschlossen werden.
  3. Ebenso erforderlich ist es, einen Standard für verlässliche Datenquellen zu definieren. Eine Blockchain garantiert nicht, dass die eingetragenen Daten rechtmäßig respektive auch
    korrekt sind. Da die Eingabe falscher Daten nicht verhindert werden kann, darf auch die Praxis des Auditings nicht obsolet werden. Wird mit doch fehlerhaften Daten gearbeitet, ist eine Korrektur mit etablierten Technologien extrem aufwendig. Im Gegensatz dazu kopiert die Blockchain einen Fehler zwar – sie ermöglicht es zugleich aber auch, dass dieser überall und zuverlässig korrigiert werden kann.
  4. Für Instanzen, die für Sicherheit sorgen (sogenannte Regulatoren), ist die Blockchain eine sehr attraktive Technologie. Grund: Sie können über das Blockchain-Protokoll alle Transaktionen lückenlos nachvollziehen. Die Blockchain liefert eine Kette von Beweisen zu sämtlichen Transaktionen. Das klingt nach paradiesischen Zuständen für Aufsichtsbehörden. Von Steuerhinterziehung über Geldwäsche bis hin zu schwarzen Kassen – viele Straftatbestände ließen sich auf sehr einfache Art und Weise aufdecken. Allerdings kann eine solche Transparenz auch von Nachteil sein. Wollen Unternehmen, dass die Konkurrenz jederzeit Einblick in ihre Daten hat? Die Transparenz einer offenen Blockchain wirft zahlreiche Fragen nach dem Datenschutz auf.

Das britische Start-up Everledger bringt Transparenz in den Handel mit Diamanten. Mithilfe der Blockchain-Technologie weist das Unternehmen die Identität von Diamanten nach. Die Everledger-Diamanten-Blockchain reicht von der Minengesellschaft über Händler und Versicherungen bis hin zum Kunden und hat bereits die Zertifikate und Auf-bewahrungsorte von mehr als 770.000 Edelsteinen erfasst. Die Blockchain stellt sicher, dass ein Diamant nur verkauft werden kann, wenn das Netzwerk sich darüber einig ist, dass der Diamant echt und die Transaktion rechtmäßig ist.