Deutsche Unternehmen zahlen besonders pünktlich

IN DER FAZ ERSCHIENEN AM 03.08.2017

Wenn es um das fristgerechte Begleichen von Rechnungen geht, liegen Dänemark und Deutschland vorn. Doch die Unterschiede in der Zahlungsmoral und die Gefahren sind groß. Der Druck wächst.

Business Handschlag Bauarbeiter

Pünktlich wie die Maurer: In der Bauwirtschaft reißen die Unternehmen besonders selten ihre Zahlungsfristen.

FRANKFURT, 2. August. Steht es um die Zahlungsmoral eines Kunden schlecht, ist dies nicht nur ärgerlich. Werden Rechnungen zu spät bezahlt, kann das für Unternehmen zum Verhängnis werden. Dies gilt umso mehr, je größer die Kunden und die Verpflichtungen sind und selbst dann, wenn der Lieferant an sich eigentlich solide und zuverlässig ist. Schlimmstenfalls droht eine Abwärtsspirale aus weiteren späten Zahlungen, Zahlungsunfähigkeit und Entlassungen.

Im internationalen Vergleich als besonders verlässliche Kunden haben sich im Jahr 2016 offenbar Dänen und Deutsche erwiesen. Während im Durchschnitt rund 87 Prozent der dänischen Unternehmen ihre Rechnungen fast pünktlich bezahlten, erfüllten etwa 82 Prozent der deutschen Geschäftskunden ihre Pflichten innerhalb des gesetzten Zahlungsziels. Dies ergibt eine Auswertung des Daten- und Analyseanbieters Bisnode. In diesen Daten ist gleichwohl eine Kulanzfrist von wenigen Tagen enthalten.

In Europa an dritter Stelle folgt demnach Ungarn. Hier beglichen durchschnittlich rund 55 Prozent der Unternehmen ihre Rechnungen pünktlich. Schlusslicht ist dagegen Rumänien mit einem Anteil von zuverlässigen Kunden von etwa 18 Prozent. In Portugal zahlten im Durchschnitt rund 20 Prozent der Unternehmen halbwegs fristgerecht, in Bulgarien taten dies 24 Prozent und in Finnland 27 Prozent. Dabei hat sich die Zahlungsmoral in Europa sogar etwas verbessert, was nicht zuletzt an der wirtschaftlichen Erholung liegen dürfte. Haben hier im Jahr 2016 im Durchschnitt rund 39 Prozent der Unternehmen ihre Schulden pünktlich bezahlt, waren es im Jahr davor noch 38 Prozent. In Deutschland gab es nach Daten von Bisnode eine deutlichere Verbesserung um gut 9 Prozentpunkte. Im Vergleich zum Jahr 2007 ist der Anteil der fristgerecht zahlenden Kunden hier sogar um 28 Prozentpunkte gestiegen.

„In Deutschland ist ein Zahlungsziel von 30 Tagen üblich, mit branchenspezifischen Abweichungen“, sagt Markus Gottschlich, Produktmanager von Bisnode Deutschland. Werden die geforderten Beträge binnen zehn Tagen bezahlt, dann kann häufig noch ein Skonto von 2 Prozent abgezogen werden. Rechnungen für Großprojekte wiederum werden meist je nach Leistungsfortschritt aufgeteilt.

Auch außerhalb Europas sind die Unterschiede in der Zahlungsmoral groß. Ganz vorne liegen nach Daten von Bisnode Taiwan und Mexiko. Hier haben im vergangenen Jahr im Durchschnitt 72 Prozent beziehungsweise 55 Prozent der Geschäftskunden ihre Rechnungen nahezu pünktlich beglichen. Auf den hintersten Plätzen befinden sich dagegen Thailand mit durchschnittlich 22 Prozent und die Philippinen mit mageren 12 Prozent.

Die Zahlungsmoral hängt offensichtlich zudem von der Unternehmensgröße ab. So finden sich laut Bisnode in Deutschland die besten Schuldner unter den Kleinstunternehmen. Hier haben drei Viertel ihre Rechnung im Vorjahr ganz pünktlich bezahlt- also ohne auch nur einen einzigen Tag Kulanz. Unter den mittelgroßen Unternehmen tat dies etwas mehr als die Hälfte und unter den großen Waren es rund 43 Prozent.

Gemessen an den Branchen ist Bisnode zufolge die Zahlungsmoral unter den Finanzdienstleistern am höchsten, gefolgt vom Baugewerbe. Säumige Zahler findet man dagegen am häufigsten im Transportsektor oder in der verarbeitenden Industrie. Der Studie liegen Zahlungserfahrungen und Daten von jährlich rund 5 Milliarden realen Transaktionen zugrunde. Seit gut 30 Jahren speisen hierfür internationale Unternehmen aus verschiedenen Branchen regelmäßig anonymisiert Daten ein.

Der Druck auf die Unternehmen scheint zu wachsen. Denn immer mehr Lieferanten sehen sich offenbar gezwungen, längere Zahlungsfristen zu akzeptierten. Dies hat Intrum Justitia, ein Dienstleister für die Verwaltung von Krediten, festgestellt. Trotz der wirtschaftlich positiven Entwicklung verschlechterten sich die Zahlungsbedingungen in Deutschland, heißt es dort. Demnach wurde im Durchschnitt zuletzt rund die Hälfte der Unternehmen gebeten, längere Zahlungsziele zu akzeptieren (Vorjahr: 11 Prozent). In Europa vergleichen sich aktuell 61 mit zuvor 46 Prozent.

Interessant sei, dass die Mehrzahl der Anfragen nach Fristverlängerung oder Sonderkonditionen von großen, multinationalen Unternehmenskunden gestellt würden, sagt Jürgen Sonder, Geschäftsführer von Intrum Justitia. In den meisten Fällen sei es schwierig, die Bitte solcher Kunden abzulehnen. Dies könne zu einer Kettenreaktion und Abwärtsspirale führen, da die Lieferanten der betroffenen Unternehmen ihr Geld ebenfalls später erhielten. Als Gründe für verzögerte Zahlungen nannten drei Viertel der befragten deutschen Unternehmen finanzielle Schwierigkeiten ihrer Schuldner. Mögliche Verbesserungen in den administrativen Abläufen der Kunden gaben ein Drittel als mögliche Ursache an. Bei einem Fünftel waren es Streitigkeiten über die gelieferten Waren und Dienstleistungen. Häufig würden Zahlungen auch bewusst verzögert, heißt es zudem.

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