Panama Papers – Interview mit Dr. Eckhard Geulen

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In einem aktuellen Gespräch erläutert Dr. Eckhard Geulen, Regional Director DACH von Bisnode, welche Auswirkungen ein Transparenzregister, wie jüngst von der Bundesregierung gefordert, haben würde und wie internationale Unternehmensdatenbanken heute schon zu größerer Transparenz führen.

HINTERGRUND
Am 3. April 2016 präsentierten 109 Zeitungen, Fernsehstationen und Online Medien in 76 Ländern zeitgleich die Recherche-Ergebnisse eines Verbunds von Investigativ-Journalisten, die 12 Monate lang die Daten eines anonymen Whistleblowers ausgewertet hatten.
Das Ergebnis: Die Anwaltskanzlei Mossack Fonseca half mehr als 14.000 Klienten bei der Gründung von 214.488 Firmen an 21 Offshore-Finanzplätzen. Damit stehen die Themen Steueroasen und Steuervermeidung einmal mehr im Mittelpunkt und deutsche Politiker fordern Konsequenzen aus den jüngsten Enthüllungen.

Herr Dr. Geulen, die Panama Papiere sind aktuell in aller Munde – beschäftigt das größte Leck im Zeitalter des Datenjournalismus auch Bisnode?

Natürlich, wir verfolgen aktuelle Themen wie jeder andere auch. Und im konkreten Fall sind wir natürlich auch in professioneller Hinsicht hellhörig geworden. Im Rahmen unserer Compliance Lösungen beschäftigen wir uns schon seit längerem intensiv mit Firmenbeteiligungen und -verflechtungen und der Ermittlung wirtschaftlich Berechtigter.

Bundesjustizminister Heiko Maas fordert nun ein “Transparenzregister”. Kann solch ein Register Licht in den Dschungel der Steueroasen bringen?

Wie Herr Maas sagt, soll die Heimlichtuerei ein Ende haben und er plädiert für ein weltweites Verbot von Firmen und Stiftungen, deren wirtschaftlich Berechtigte anonym bleiben. Das angesprochene Transparenzregister wäre aber natürlich ein nationales Instrument und böte daher nicht die Mittel, um Briefkastenfirmen in der Karibik oder in anderen Steueroasen beizukommen. Wir bei Bisnode verfügen über eine außerordentlich umfangreiche globale Datenbank, mit deren Hilfe wir wirtschaftlich Berechtigte und komplexe Eigentümerstrukturen erfassen können.

Worauf zielt der Vorschlag aus der Bundesregierung dann Ihrer Meinung nach ab?

Es ist sicherlich ein wichtiges Signal in Richtung der internationalen Finanzmärkte, auch wenn ich befürchte, dass der Ansatz solange wirkungslos bleiben wird, wie er nicht von anderen Staaten aufgegriffen wird.

Ist Ihrer Ansicht nach ein Verbot von Firmen deren wirtschaftlich Berechtigter anonym ist machbar?

Wir können hier in Deutschland und Europa sicherlich nicht verhindern, dass in anderen Ländern Firmen gegründet werden. Und selbstverständlich ist auch nicht jede Gründung einer Briefkastenfirma in beispielsweise karibischen Ländern mit der Verschleierung von Geldern oder illegalen Machenschaften verknüpft. Aber Transparenz ist die Voraussetzung, um Wirtschaftskriminalität, Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung zu verhindern.

Innerhalb Europas wäre aber so ein Register denkbar?

Nicht nur denkbar, die im vergangenen Jahr im Europäischen Parlament verabschiedete 4. EU Geldwäscherichtlinie fordert von den Mitgliedsstaaten ein Register, das die wirtschaftlich Berechtigten von Firmen erfasst. Insofern ist die jetzige Reaktion nicht nur im Hinblick auf die aktuellen Ereignisse zu sehen.

Wer hätte Einblick in diese Daten?

Genau das ist wohl noch nicht klar und wird daher auch bereits kritisiert. Die bisherigen Informationen deuten darauf hin, dass ein solches Register nicht für alle Bürger einsehbar sein soll.

Ist diese Kritik denn berechtigt?

Sagen wir es mal so, für unsere Kunden ermitteln wir wirtschaftlich Berechtigte weltweit und durchleuchten auch die komplexesten Firmenverflechtungen. Dies ist bei der Einhaltung von Compliance-Richtlinien ja auch essenziell. Unsere globale Datenbank steht damit auch der Öffentlichkeit zur Verfügung.

Wie umfangreich ist diese Datenbank im Detail?

Wir verfügen über Unternehmensinformationen zu mehr als 250 Millionen Unternehmen aus 220 Ländern. Natürlich auch aus Panama und anderen Steueroasen wie den Britischen Jungferninseln, Vanuatu und Liechtenstein. Wir haben uns aufgrund der aktuellen Lage mal angeschaut, welche deutschen Unternehmen zum Beispiel die weltweit höchste Muttergesellschaft in einem Land haben, das von der EU Kommission als Steuerparadies eingestuft wurde und das sind nicht so wenige. Sehr beliebt sind hier auch die Cayman Islands oder die Bermudas. Aus welchen Gründen diese Unternehmen die Muttergesellschaft dort ansiedeln, können allerdings auch wir im einzelnen nicht sagen.

Herr Dr. Geulen, vielen Dank für das Gespräch.

Panama Papers - Interview mit Dr. Geulen

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