Risikomanagement im Benchmark

Risikomanagement ist ein fester Bestandteil unternehmerischen Handelns. In vielen Unternehmen wurden deshalb in den letzten Jahren Risikomanagementsysteme implementiert.
Das Risikomanagement im Unternehmen hat viele Facetten und eine hohe Komplexität. Zahlreiche Studien sind diesem Thema gewidmet. Sie basieren häufig auf Befragungen von Risikomanagern, um aus deren Erfahrung Best Practices und Benchmarks abzuleiten und Trends und Perspektiven zu erkennen.

Bisnode D&B wählte für eine aktuelle Studie eine andere Perspektive und Vorgehensweise. Erstmalig werden über einen Zeitraum von mehreren Jahren mehr als 250 reale, internationale Geschäftspartnerportfolien in ihrer Entwicklung betrachtet. Diese Portfolien umfassen insgesamt rund eine Viertel Millionen Geschäftsbeziehungen.
Im Zentrum der Analyse steht dabei die Bewertung der Unternehmen hinsichtlich ihres Ausfallrisikos, an zweiter Stelle wird auch das Risiko von Zahlungsverzügen untersucht.

Die grundlegende Fragestellung der Studie ist: Kann durch das Risikomanagement eine messbare Reduzierung von Ausfallrisiken erreicht werden? Ist diese Frage positiv zu beantworten, so kann darüber hinaus untersucht werden, wie hoch schließlich die Erfolgsquote ist. Dadurch entsteht ein Benchmark, der unter diesen Aspekten eine quantitative Beurteilung des Risikomanagements ermöglicht.

Im Mittelpunkt der Untersuchung standen zwei wichtige, auf Geschäftspartner bezogene Risiken – das Ausfallrisiko eines Unternehmens und das Zahlungsverzugsrisiko.

  1. Das Ausfallrisiko ist ein reales ernstzunehmendes Risiko – jeder fünfte Geschäftspartner in den Portfolien wird mit einem überdurchschnittlichen Ausfallrisiko bewertet. Das verdeutlicht einmal mehr die Notwendigkeit der Berücksichtigung dieses Indikators im Risikomanagement. Bei internationalen Geschäftsbeziehungen ist diese Feststellung noch einmal zu unterstreichen – denn hier ist gut jedes vierte Unternehmen mit einem überdurchschnittlichen Ausfallrisiko behaftet.
  2. Die Analyse der Gesamtheit der Geschäftspartner in den Portfolien zeigt über den Betrachtungszeitraum von 5 Jahren kaum Veränderungen hinsichtlich der Verteilung der Ausfallrisiken.
  3. In den letzten fünf Jahren hat sich das Zahlungsverhalten der deutschen Geschäftspartner deutlich verschlechtert – der Anteil der pünktlichen Zahler ist um fast 10 Prozent gesunken. Das Zahlungsverzugsrisiko bei ausländischen Geschäftspartnern ist stabil, aber deutlich höher als im Inland – nur jedes vierte Unternehmen in den TOP 10 Märkten ist dafür bekannt seine Rechnungen pünktlich zu bezahlen, in Deutschland sind es zwei Drittel.
  4. Die Analyse der Geschäftspartnerportfolien zeigt, das die deutliche Mehrheit der Anwender – 85 Prozent – die Risikoverteilung in ihren Portfolien verbessern konnte und der Anteil der Geschäftspartner mit einem überdurchschnittlichen Ausfallrisiko reduziert wurde. Ein Benchmark sollte hier ein Anteil von weniger als 20 Prozent sein, die besten Unternehmen erzielen jedoch auch Werte von unter 10 Prozent.
  5. Die Reduzierung des Anteils der Geschäftspartner mit einem überdurchschnittlichen Ausfallrisiko wirkt sich direkt vorteilhaft auf die Reduzierung der Forderungen / Ausgaben mit diesen Geschäftspartnern aus.
  6. Die festgestellte zunehmende Zahlungsunlust der Geschäftspartner in den untersuchten Portfolien kann nicht vollständig kompensiert werden. Im Forderungs- und Kreditmanagement gelingt dies besser, zumindest gelingt es häufiger den Einfluss des steigenden Anteils schlechter Zahler in den Portfolien auf die Zunahme des Forderungsbestandes mit ihnen abzufedern.
  7. In der Beschaffung ist das Bild drastischer. Das hat hier natürlich keine unmittelbaren Auswirkungen – die Lieferanten sind in dieser Perspektive ja die Zahlungsempfänger. Das sich in der erdrückenden Mehrheit der Portfolien der Anteil der Lieferanten erhöht, die sich gegenüber ihren Vorlieferanten im Verzug befinden, lässt jedoch höhere Risiken in der Supply Chain zumindest erahnen.
  8. Unternehmen mit kleinen Portfolien sind bei der Reduzierung von Ausfallrisiken deutlich erfolgreicher. Möglicherweise ist dass der schnelleren Umsetzbarkeit von Maßnahmen zur Risikosteuerung geschuldet, auf jeden Fall aber ist erfolgreiches Risikomanagement nicht nur eine Strategie für große Unternehmen.

Die Reduzierung von Ausfallrisiken in einem Geschäftspartnerportfolio ist realisierbar. Voraussetzung hierfür ist ein aktives Portfoliomanagement:

  • Langfristige und kontinuierliche Analyse und Überwachung der Ausfallrisiken aller relevanten Geschäftspartner
  • Fortwährende Überprüfung von bestehenden Geschäftsbeziehungen und Trennung von Geschäftspartnern mit einem überdurchschnittlichen Ausfallrisiko
  • Frühzeitige Risikobewertung von neuen Geschäftspartnern und bewusster Verzicht bzw. Reduzierung von Geschäftsverbindungen zu Unternehmen mit einem überdurchschnittlichen Ausfallrisiko
Riskrating Lieferanten 2015

Abb.1: Riskrating Lieferanten 2015

Ein Blick auf die Verteilung der Ausfallrisiken 2015 der in der Studie analysierten Lieferantenportfolien. Insgesamt, über alle Länder hinweg, zeigte rund jeder fünfte Lieferant ein überdurchschnittliches Ausfallrisiko (Rating 3 oder 4). Betrachtet man nur die deutschen Geschäftspartner, ist es gerade mal jeder Zehnte. Bezogen auf die TOP 10 Märkte der Untersuchung (außer Deutschland): Italien, Niederlande, Spanien, Frankreich, Österreich, Großbritannien, USA, Schweiz und Tschechien – war 2015 jeder vierte Lieferant mit einem überdurchschnittlichen Ausfallrisiko bewertet. Betrachtet man schließlich alle internationalen Lieferanten außerhalb dieser TOP 10 steigt das Risiko weiter – hier ist jeder dritte Lieferant durch ein überdurchschnittliches Ausfallrisiko gefährdet.

Die folgende Auswertung bezieht sich auf alle Portfolien und untersucht, in wie vielen Port-folien der Anteil der Geschäftspartner mit einem überdurchschnittlichen Ausfallrisiko redu-ziert werden konnte – Verbesserung – bzw. der Anteil zunahm – Verschlechterung.

Anteil der Portfolien mit Verbesserung / Verschlechterung der Portfoliostruktur hinsichtlich Ausfallrisiko abhängig von der Laufzeit

Abb.2: Anteil der Portfolien mit Verbesserung / Verschlechterung der Portfoliostruktur hinsichtlich
Ausfallrisiko abhängig von der Laufzeit

Die Analyse der Entwicklung der Risikoverteilung in den untersuchten Portfolien zeigt, dass es der Mehrzahl der Unternehmen gelungen ist im Laufe der Zeit den Anteil ausfallge-fährdeter Geschäftspartner zu reduzieren, 85 Prozent der Beteiligten waren schließlich erfolgreich. Gleichzeitig ist zu erkennen, dass dieser Erfolg nicht von selbst kommt, son-dern ein langjähriges kontinuierliches Risikomanagement erfordert – im ersten Geschäfts-jahr gelang es nur wenig über der Hälfte der Risikomanager ihre Portfolien positiv zu ent-wickeln.

Bisnode D&B definiert weltweit 4 Risikoklassen zur einheitlichen Bewertung. Grundlage bieten in vielen Ländern mathematisch-statistische Methoden zur Vorhersage der Ausfallwahrscheinlichkeit eines Unternehmens (Predictive Analytics) oder spezielle Expertensysteme zur Risikobeurteilung. Risikoklasse 4 beschreibt die höchste Ausfallwahrscheinlichkeit.

Risikoklassen 1 und 2: unterdurchschnittliches Ausfallrisiko

Risikoklassen 3 und 4: überdurchschnittliches Ausfallrisiko

Das Zahlungsverzugsrisiko wird durch den Zahlungsindex (Paydex) von Bisnode D&B bewertet. Er gibt in einem Zahlenwert (0 – 100) an, wie pünktlich ein Unternehmen seine Verbindlichkeiten begleicht. Den Wert errechnet Bisnode D&B auf Grundlage der eigens dafür gesammelten Zahlungserfahrungen, die mathematisch gewichtet und verarbeitet werden. Der Wert 80 drückt aus, dass das Unternehmen entsprechend der Zahlungszielvereinbarung pünktlich zahlt. Je kleiner der Zahlungsindex ist, umso größer ist der Zeitverzug, mit dem das Unternehmen zahlt.