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Aussetzung der Insolvenzantragspflicht beendet

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Bei Überschuldung und Zahlungsunfähigkeit müssen Unternehmen in Deutschland jetzt wieder einen Insolvenzantrag stellen. Worauf Credit Manager und Einkäufer ab sofort besonders achten sollten, erklärt Carsten Ettmann, Senior Business Consultant bei Dun & Bradstreet.

Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen ist in Deutschland trotz der Corona-Pandemie und der damit einhergehenden angespannten wirtschaftlichen Situation 2020 laut Statistischem Bundesamt auf 16.300 gesunken. Damit mussten im vergangenen Jahr in Summe 2.530 weniger Unternehmen Insolvenz anmelden als noch im Jahr zuvor.

Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen ist somit auf einem historisch niedrigen Niveau. Grund für diese Entwicklung ist das Aussetzen der Insolvenzantragspflicht.

Bereits Anfang 2020 hatte die Bundesregierung zum ersten Mal beschlossen, dass Unternehmen, die aufgrund der Pandemie wirtschaftlich in eine Notsituation geraten sind, erst einmal keine Insolvenz anmelden müssen. Dies wurde in der Folge zweimal verlängert.

Seit Kurzem gelten nun wieder die normalen Insolvenzantragspflichten in Deutschland. Demnach müssen Unternehmen, die zahlungsunfähig oder überschuldet sind, wieder Insolvenz anmelden.

Steigt jetzt die Zahl der Unternehmensinsolvenzen?

Unternehmensinsolvenzen in Deutschland bis 2020© Statistisches Bundesamt (Destatis), 2021

„Es ist zu befürchten, dass die Zahl der Unternehmensinsolvenz ansteigen wird. Deshalb ist es gerade jetzt umso wichtiger, dass Unternehmen die Bonität ihrer Kunden und die wirtschaftliche Stabilität ihrer Lieferanten genau prüfen“, sagt Carsten Ettmann, Senior Business Consultant bei Dun & Bradstreet.

Dazu sollten Credit Manager ihre Kunden und Einkäufer ihre Lieferanten engmaschig kontrollieren und dazu fundierte Scores als Entscheidungsgrundlage heranziehen. Scores repräsentieren die Wahrscheinlichkeit, ob Unternehmen ihren Zahlungsverpflichtungen nachkommen können oder Insolvenz anmelden müssen. Sie sind unverzichtbarer Bestandteil des deutschen Wirtschaftssystems und haben einen hohen Stellenwert für die kreditgebende Wirtschaft. Scores und darauf basierende Ratings schützen Unternehmen einerseits vor Zahlungsausfällen. Andererseits ermöglichen sie die geeignete Kreditvergabe an Kunden, die allein aufgrund primär subjektiver Beurteilungen keinen Kredit erhalten würden.

Checkliste

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Index mit Weitblick

Die Aussagekraft von Scores wird positiv vom Overall Business Impact ergänzt. Mit dem Overall Business Impact von Dun & Bradstreet lassen sich die Auswirkungen von Corona auf Unternehmen messen. Dieser Index wird wöchentlich aktualisiert. Dabei werden neueste Trends wie die Anzahl neuer Corona-Fälle oder staatliche Konjunkturpakete berücksichtigt.

„Mit dem Overall Business Impact erkennen Credit Manager und Einkäufer anhand ausgewählter Indikatoren, welche Geschäftspartner kurz vor der Insolvenz stehen. So können sie frühzeitig handeln und beispielsweise neue Kunden akquirieren oder alternative Lieferanten suchen, bevor Umsätze einbrechen oder Produktionsbänder stillstehen, weil Kunden oder Zulieferer Insolvenz anmelden mussten“, sagt Ettmann.

So wird der Overall Business Impact berechnet!

Der Overall Business Impact setzt sich aus zwei Hauptkomponenten zusammen. Dem Company Impact Index und dem Network Impact. 

Der Company Impact Index basiert auf dem inhärenten Unternehmensrisiko gemessen mittels Score und Paydex®. Zusätzlich bewertet der Company Impact Index unter anderem das Branchen- und das Standort-Risiko von Unternehmen aufgrund von Corona. Dabei steckt der Teufel häufig im Detail. Die Branche der Apotheken zählt grundsätzlich zu den Corona-Gewinnern. Befindet sich eine Apotheke aber beispielsweise in der Nähe eines Flughafens, wird sie aufgrund des eingeschränkten Reiseverkehrs tendenziell weniger Kunden haben. Solche Erkenntnisse fließen beim Overall Business Impact in die wirtschaftliche Bewertung ein. 

Der Network Index berücksichtigt ergänzend den Einfluss globaler Käufer- und Lieferantenbeziehungen unter Verwendung weltweiter Handels- und Versanddaten. Die Abhängigkeit beispielsweise von Fernost und damit einhergehende Risiken lassen sich so in Form eines Indizes operationalisieren.

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