Blog Risiko & Kredit Scoring

So stellen Sie die Liquidität Ihres Unternehmens sicher

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Wer seine Rechnungen nicht mehr zahlen kann, dem droht die Insolvenz. Damit es gar nicht erst so weit kommt, sollten Sie die Liquidität Ihres Unternehmens überwachen und gezielt steuern. Wie Sie ausreichend Liquidität sicherstellen und welche Rolle Scoring dabei spielt, erklärt Andrea Kohrt, Senior Business Consultant Risk & Compliance bei Dun & Bradstreet, im Interview.



Liquidität sicherstellen | Länge 13:34 min

 

Frau Kohrt, gibt es eine Faustregel, wie Unternehmen ihre Liquidität am einfachsten sicherstellen können?

Andrea Kohrt: Oh ja, die gibt es.

 

Wie lautet die? Möchten Sie sie uns verraten?

Andrea Kohrt: Sehr gerne. Eine Formel lautet kurze Zahlungsziele für Geschäftspartner, lange Zahlungsziele für Sie. Konkret bedeutet das: Bei Ihren Verbindlichkeiten gegenüber Lieferanten sollten Sie immer versuchen, ein möglichst langes Zahlungsziel auszuhandeln. Bei Ihren Forderungen gegenüber Kunden und Lieferanten sollten Sie darauf achten, dass das Zahlungsziel möglichst kurz ist. Desto schneller verfügen Sie wieder über liquide Mittel.

Die Liquidität eines Unternehmens lässt sich kurz-, mittel- und langfristig durch eine gezielte Planung der Geldflüsse steuern. Wenn ich einerseits von meinen Lieferanten stark gedrückt werde und ich schnell viele Rechnungen bezahlen muss, ich andererseits meine Forderungen nicht einholen kann, dann habe ich im schlimmsten Fall ein Liquiditätsloch. Genau das gilt es zu vermeiden!

 

Mit Blick auf die Corona-Pandemie. Wie stellen Credit Manager die Liquidität Ihres Unternehmens in der Krise sicher?

Andrea Kohrt: Gerade in unsicheren Zeiten und einer angespannten wirtschaftlichen Situation verursacht durch Krisen wie die Corona-Pandemie aktuell, müssen Unternehmen damit rechnen, dass Forderungen von Kunden deutlich später beglichen werden. Deshalb ist es so wichtig, seine Kunden und deren Zahlungsverhalten genau im Blick zu haben. Mit einem Monitoring erkennen Sie frühzeitig, wenn einer Ihrer Geschäftspartner plötzlich nicht mehr pünktlich zahlt und können frühzeitig gegensteuern.

Mit dem Overall Business Impact von Dun & Bradstreet lassen sich außerdem die Auswirkungen von Corona auf Unternehmen messen. Der Index bewertet beispielsweise das Risiko eines Unternehmens auf Grundlage des Ausmaßes der geltenden Beschränkungen im Zusammenhang mit COVID-19 und berücksichtigt zudem das Risiko für die Branche, in der das Unternehmen tätig ist. So lassen sich zuverlässige Aussagen über die wirtschaftliche Entwicklung von Unternehmen weltweit in Zeiten von Corona treffen.

 

Was sollten Mitarbeiter im Credit Management im Fall einer unpünktlichen Zahlung tun?

Andrea Kohrt: Ganz klar. Sie sollten als erstes mahnen! Ein effizientes Mahnwesen ist ganz entscheidend, wenn es darum geht, meine eigene Liquidität auf einem guten Niveau zu halten.

Wenn Sie Kunden haben, die immer pünktlich zahlen und plötzlich nicht mehr, dann sollten Sie das hinterfragen. Warum zahlt er jetzt nicht mehr pünktlich? Sie sollten recherchieren, wie schnell das Unternehmen seine Verbindlichkeiten gegenüber anderen Geschäftspartnern begleicht. Zahlt das Unternehmen bei anderen pünktlich und bei Ihnen nicht, dann nutzt Ihr Geschäftspartner Sie möglicherweise als Finanzierungsquelle beziehungsweise Lieferantenkredit.

In so einem Fall sollten Sie genau prüfen, wie wichtig der Geschäftspartner für Sie ist und welche Auswirkungen es für Sie hat, sollte er nicht zahlen. Je nach Ergebnis können Sie frühzeitig Maßnahmen einleiten. So vermeiden Sie Liquiditätslücken.

 

Wie kann ich Scoring nutzen, um meine Liquidität sicherzustellen?

Andrea Kohrt: Die Beurteilung der Bonität von Kunden oder Lieferanten sollte auf Basis valider Daten erfolgen. Durch die Kombination von internen und externen Daten erhalten Credit Manager einen Gesamtblick auf ihre Kunden. Auf Basis dieser Daten werden Kunden gemäß einem risikobasierten Ansatz in Risikoklassen eingeordnet und gezielte Maßnahmen wie Kreditlimit und Zahlungskonditionen definiert, um Risiko und Liquidität zu steuern. So wird verhindert, dass risikobehaftetes Neugeschäft ohne entsprechende Sicherheiten zustande kommt.

Der D&B Score von Dun & Bradstreet gibt Aufschluss darüber, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, ob ein Unternehmen in den nächsten zwölf Monaten Insolvenz anmelden muss. Der D&B Zahlungsindex (Paydex) ist einer der Faktoren, die in die Berechnung des D&B Scores einfließen und eine genaue Prognose der Ausfallwahrscheinlichkeit ermöglichen.

Ist die Ausfallwahrscheinlichkeit beispielsweise besonders hoch, dann sollten Sie mit dem Kunden nur Geschäfte gegen Vorauskasse machen. Als zusätzlichen Indikator für Ihre Entscheidung sollten Sie außerdem immer das Zahlungsverhalten heranziehen. Ist die Ausfallwahrscheinlichkeit zum Beispiel niedrig doch das Zahlungsverhalten schlecht, dann können Sie beispielsweise in einem Gespräch mit dem Kunden die Gründe dafür zu klären. Es gibt Unternehmen, die zwar über eine gute Bonität verfügen, aber aufgrund ihrer strategischen Liquiditätssteuerung nicht immer gleich zahlen.

Durch Überwachung der Risikoindikatoren können Credit Manager bei Veränderungen der Bonität oder des Zahlungsverhaltens sofort reagieren und gegensteuern.

 

Welchen Einfluss hat Scoring auf meine Days Sales Outstanding (DSO) Ziele?

Andrea Kohrt: Der Score ist ein Hilfsmittel, meine DSO Ziele, also die Anzahl der Tage, die vom Zeitpunkt der Rechnungsstellung bis zum Zahlungseingang auf dem Bankkonto vergehen, zu verkürzen. Über den Score kann ich meine Zahlungsziele steuern und so meine Liquidität sicherstellen.

 

Was bedeutet das konkret in der Praxis? Worauf sollten Credit Manager achten?

Andrea Kohrt: Durch das Einbeziehen objektiver und valider, externer Daten wie den D&B Indikatoren erhalten Credit Manager einen 360° Blick auf ihre Kunden. Mit Hilfe des tagesaktuellen Monitorings der externen Indikatoren können Sie sofort auf Veränderungen reagieren und stellen ihre Liquidität sicher.

Als grobe Faustregel gilt: Kunden, die einen guten Score haben, bekommen ein längeres Zahlungsziel. Kunden, die im roten Bereich sind und eine hohe Ausfallwahrscheinlichkeit haben, müssen genau unter die Lupe genommen werden. Bei Vorauskasse gehen Sie das Risiko ein, dass sich Ihr Geschäftspartner aufgrund der Zahlungskondition einen anderen Lieferanten sucht.

In solchen Fällen ist es die Aufgabe des Credit Managers, anhand ausgewählter Kriterien zu bestimmen, welche Zahlungskonditionen bei welchem Kunden aufgrund der Risikoeinschätzung noch vertretbar sind und welche nicht. Hier lassen sich keine pauschalen Regeln aufstellen. Das gilt es von Branche zu Branche und Unternehmen zu Unternehmen individuell zu entscheiden. Aufgabe des Credit Managers ist es, die richtige Balance zwischen Risiko und Chancen zu finden.

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5 Tipps, wie Sie die Liquidität Ihres Unternehmens sicherstellen 

  

1. Kurze Zahlungsziele für Geschäftspartner, lange Zahlungsziele für Sie 

Bei Ihren Verbindlichkeiten sollten Sie immer versuchen, ein möglichst langes Zahlungsziel auszuhandeln. Bei Ihren Forderungen gegenüber Kunden sollten Sie Zahlungsziele abhängig von der Bonität gewähren. Achten Sie generell darauf, dass das Zahlungsziel möglichst kurz ist. Desto schneller verfügen Sie wieder über flüssige Mittel. 

 

2. Stellen Sie Ihre Rechnungen schnell 

Stellen Sie sofort bei Auftrag Ihre Rechnung und treten Sie bei Zahlungsfristüberschreitung in Kontakt mit Ihrem Kunden. 

  

3. Monitoren Sie Ihre Geschäftspartner 

Ein effizientes Forderungsmanagement ist ganz entscheidend, wenn es darum geht, die Liquidität Ihres Unternehmens sicherzustellen. Behalten Sie daher Ihr Geschäftspartnerportfolio immer im Auge. Es geht um das effiziente und schnellstmögliche einkassieren von offenen Forderungen und das richtige Festlegen von Zahlungskonditionen. Damit Überraschungen ausbleiben, ist es essenziell, eine möglichst akkurate Sicht auf die Bonität und das Zahlungsverhalten Ihrer Geschäftspartner zu haben. Ein effizientes Monitoring Ihres gesamten Kundenbestands mit D&B Credit von Dun & Bradstreet ist hier ausschlaggebend. So erfahren Sie auf täglicher Basis, falls sich bonitätsrelevante Informationen wie beispielsweise die Ausfall- oder Insolvenzwahrscheinlichkeit, das Zahlungsverhalten, offizielle Publikationen und weitere Rahmenbedingungen verändern. Das verschafft Ihnen die benötigten Informationen, um rechtzeitig Maßnahmen wie Lieferstopps oder angepasste Zahlungsbedingungen einzuleiten. 

Extra-Tipp: Wir empfehlen Ihnen, dass Sie sich nicht beschwichtigen lassen, sondern auf konkrete Fakten und Daten vertrauen und diese im Auge behalten. 

  

4. Finanzierer für Forderungen 

Arbeiten Sie mit Factoring-Instituten, Inkasso-Unternehmen oder Banken zusammen, die Ihre Forderungen vorfinanzieren. 

  

5. Persönlicher Kundenkontakt 

Der direkte Kontakt zu Ihrem Kunden ist ein einfacher, leider oft nicht genutzter Weg, um bei einem Zahlungsverzug eine Lösung herbeizuführen. Achten Sie jedoch auf sachliche Argumentation und hinterfragen Sie kritisch. 

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