Artikel Risiko & Kredit Analytics

Alles eine Frage der Zahlungsmoral

Alles eine Frage der Zahlungsmoral - 20 Okt 2019

Worauf Sie achten sollten, wenn Sie eine Rechnung stellen

Eine gestellte Rechnung ist längst noch keine bezahlte Rechnung und ein definierter Zahlungstermin muss erstmal eingehalten werden, was in Europa durchschnittlich nur für die Hälfte aller Rechnungen funktioniert. Und auch auf der Lieferantenseite wird längst nicht alles eingehalten, was auf dem Papier steht.

Die Polen haben die beste Zahlungsmoral der Welt. Das überrascht uns vielleicht erstmal, aber in unserer jährlich erscheinenden Payment-Studie zum globalen Zahlungsverhalten zeigt sich eben genau das. Wer mit den Osteuropäern Geschäfte macht, kann darauf vertrauen, dass durchschnittlich 79,3 Prozent aller Rechnungen pünktlich bezahlt werden. Das ist ein exzellenter Wert. Weltweit rangiert Pünktlichkeit im Zahlungsverkehr eher knapp unter 50 Prozent.

Auf dem zweiten und dritten Platz in Europa finden sich die Niederlande und Deutschland mit Werten von 73,8 und 67,1 Prozent. In Deutschland darf man also darauf vertrauen, dass zwei von drei Rechnungen pünktlich beglichen werden. Aus Sicht des Cashflow-Managements ist es allerdings wichtiger zu bemerken, dass ein Drittel der Gelder verspätet eintrifft. In Deutschland erreichen 30 Prozent der Zahlungen ihren Empfänger mit maximal 30 Tagen Verzug. Mehr Verspätung tritt nur in zwei Prozent der Fälle auf.

Der deutsche Schuldner legt hier, über die letzten zehn Jahre betrachtet, eine vergleichsweise stabile Zuverlässigkeit an den Tag. Ganz anders dagegen die Nachbarn aus den Niederlanden. Die Zahl der pünktlichen Bezahler hat sich seit 2008 um satte 34% verbessert. Und wer Geschäfte mit Italien macht, sollte eventuell auf Vorkasse bestehen: Bei den Römern, Mailändern und Sizilianern sind im Vergleich zu 2008 knapp 15 Prozent weniger Schuldner der Auffassung, sie müssten ihren Verpflichtungen pünktlich nachkommen.

Verspätungen im Verkehr – Die kleinen zahlen pünktlicher

Freilich sind das Durchschnittswerte über alle Branchen hinweg und somit wenig aussagefähig für das Einzelunternehmen. Aber grundsätzlich ist es auch für Sie ein wichtiger Faktor der Risikokalkulation, zu wissen, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass die Zusammenarbeit mit Partnern in bestimmten Ländern zu pünktlichen Zahlungsströmen führt.

Grafik zum Zahlungsverhalten in Europa 2018

Grafik zum Zahlungsverhalten in Europa 2018

Betrachtet man nur Deutschland, dann werden Logistik und Distribution am häufigsten zu spät bezahlt. Hier verspäten sich 43 Prozent um bis zu 30 Tage. Die pünktlichsten Zahler sind die, die Waren aus Land- und Forstwirtschaft beziehen. Dort verspätet sich nur ein Viertel.

Interessant ist auch die Beobachtung der Studie, das vor allem kleine und mittlere Unternehmen pünktlich bezahlen. Konzerne nutzen ihre starke Marktstellung gerne mal aus und lassen das Zahlungsziel verstreichen. Dahinter steckt nicht selten nüchternes Kalkül: Durch die „Verlängerung“ des Zahlungsziels können Unternehmen mit vielen Lieferanten ihren Cashflow merklich positiv beeinflussen. Gleichzeitig sind sie für die Lieferanten so wichtig, dass sie nur selten riskieren, dass Gegenmaßnahmen oder gar ein Lieferstopp drohen.

Aus den Daten der Studie, die in Deutschland von Bisnode gesammelt wurden, ergibt sich auch, dass Unternehmen die in den Branchen Handel, Versicherungen und Finanzdienstleistungen wirtschaften, auf eine pünktliche Zahlung hoffen dürfen, während zum Beispiel in Hotellerie und Gastronomie von Anfang an ein gut funktionierendes Forderungsmanagement mitbedacht werden sollte.

Liefern, gerne - aber an wen?

Blickt man auf die wichtigsten Exportmärkte neben der EU, dann zeigt sich, dass chinesische Unternehmen nach wie vor Probleme mit der Zahlungsmoral haben. Es gab zwar kleine Verbesserungen in der Statistik, aber im Durchschnitt bezahlen nur 28 Prozent der chinesischen Debitoren pünktlich. Über zehn Prozent der Käufer überziehen die Fälligkeit um mehr als 90 Tage. Besonders ungemütlich wird es, wenn man Traktoren oder Saatgut an chinesische Betriebe liefert. Fast die Hälfte der Unternehmen bezahlt „seriously late“, wie die Marktforscher herausgefunden haben.

Auf der anderen Seite des Pazifiks sieht die Zahlungsmoral deutlich besser aus. Die US-Unternehmen bezahlen ähnlich gut, wie die deutschen. Rund 95 Prozent zahlen pünktlich oder mit maximal 30 Tagen Verzug. Auch hier beweisen die Kleinunternehmen die beste Zahlungsmoral. Zu den pünktlichsten zählen Investmentbüros, landwirtschaftliche Betriebe aber auch Filmstudios. Eher kritisch wird es, wenn man Bildungseinrichtungen beliefert.

Und wie zahlt der Endkunde?

„Zögern statt Zahlen“ titelte das Wirtschaftsmagazin Capital vor zwei Jahren und kam zu der traurigen Erkenntnis, dass die meisten säumigen Schuldner auf Endkundenseite, gar keinen wirklichen Grund für den Zahlungsverzug anführen können. Daraus schließen die Redakteure, dass es inzwischen gesellschaftlich nicht mehr so geächtet ist, ein säumiger Zahler zu sein.

Das ist Wasser auf die Mühlen der Inkasso-Unternehmen, die Jahr um Jahr die düsteren Szenarien von Ausfallrisiken, Betrug und Privatinsolvenzen in die Diskussion bringen. Betrachtet man die Entwicklung in längeren Zyklen, so scheint es eine deutliche Korrelation zwischen Zahlungsmoral und Konjunktur zu geben. 2016 stellte der „Spiegel“ fest, dass die Deutschen so gut zahlen, wie noch nie. Letztes Jahr hat dann der Bundesverband der Inkassounternehmen eine deutliche Eintrübung der Stimmung wahrgenommen. Vor allem im Versand- und Onlinehandel bezahlen die Deutschen ungern pünktlich.

Das Marktforschungsinstitut Kantar TNS hat letztes Jahr im Auftrag von Finanzdienstleister EOS 3400 Unternehmen in 17 Ländern telefonisch befragt. Und im Ergebnis verhalten sich die Endkunden durchschnittlich besser als die B2B-Schuldner: 82 Prozent zahlen hierzulande ihre Rechnung pünktlich. Akkurater sind nur die Dänen mit 85 Prozent.

Fazit

Für eine sorgfältige Prognose des Cashflows, sollten Sie unbedingt eine realistische Einschätzung der Zahlungsmoral der Kunden vornehmen, egal ob B2B oder B2C. Diese unterscheidet sich zwischen den Ländern mitunter erheblich. Eine schlechte Zahlungsmoral verschlechtert den Cashflow und erhöht die Kosten für Zwischenfinanzierungen.

Im gleichen Licht ist aber auch die andere Seite der Wertschöpfungskette zu betrachten. Wie wahrscheinlich sind Ausfälle auf der Lieferantenseite, selbst wenn man Ware bereits bezahlt oder angezahlt hat. Und welche Kosten entstehen aus solchen Ausfällen. Besonders hoch werden die Kosten dann, wenn man auf einen einzigen Lieferanten vertraut. Dieser Single Source Ansatz hat den Vorteil, dass weniger Handling-Aufwand entsteht und oft bessere Konditionen ausgehandelt werden können. Der offensichtliche Nachteil aber ist ein Anstieg des Risikos. Und dieses Risiko hat direkte Auswirkungen Ihren Cashflow und letztlich die Bonität Ihres Unternehmens.

 

Sie wollen wissen, wie die Welt zahlt, laden Sie sich hier unsere Studie zur Zahlungsmoral herunter!

D&B Credit animiertes Bild

D&B Credit 30 Tage lang testen

Vermeiden Sie zukünftig Zahlungsausfälle

  • Optimierte Kreditentscheidungen
  • Risikoüberwachung
  • Monitoring für wertvolle Insights
  • Tools für die globale Portfoliosteuerung
  • Effiziente und intelligente Risiko-Plattform

Zum Test anmelden