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Bonität: Sind Sie kreditwürdig?

22 Okt 2018

Der Begriff "Bonität" bezeichnet die Fähigkeit und den Willen, Schulden zurückzuzahlen. Als Finanzverantwortlicher eines KMU müssen Sie sowohl die Bonität Ihrer Geschäftspartner kennen wie auch Ihre eigene Bonität positiv beeinflussen. In diesem Artikel erfahren Sie, wie die Bonität zustande kommt und wie Sie sie aktiv gestalten.

Jedes Mal, wenn Sie einen Kunden auf Rechnung beliefern, geben Sie ihm einen Kredit  den sogenannten Lieferantenkredit. Denn während er bereits über die Ware verfügt, ist sie noch nicht beglichen.

Vielleicht haben Sie schon Situationen erlebt, in denen Ihre Forderung nicht bezahlt wurde. Sie müssen viel Zeit und Energie darin stecken, um zu Ihrem Geld zu kommen – und sind sich nicht sicher, ob sie am Ende nicht doch leer ausgehen. Mit einer Bonitätsprüfung verhindern Sie Zahlungsverzüge und Debitorenverluste. Das bedeutet für Sie weniger Rechtfertigungsbedarf gegenüber Vorgesetzten und Inhabern sowie weniger Ärger und aufwändige Prozesse mit unzuverlässigen Kunden.

Eine frühzeitige Bonitätsprüfung bedeutet: Weniger Aufwand und Ärger für Finanzverantwortliche.

Was umfasst eine Bonitätsprüfung?

Die Grundlage jeder Bonitätsprüfung sind Daten. Für die Beurteilung eines Neukunden gelten teilweise andere Anforderungen als bei der Prüfung eines Bestandskunden, über den Sie sich aufgrund der bisherigen Geschäfte bereits ein eigenes Bild gemacht haben.

Deshalb verlassen sich KMUs bei der Neukundenprüfung oftmals stärker auf externe Daten. Bestandskunden sollten dagegen fortlaufend überwacht werden, um bonitätsrelevante Veränderungen frühzeitig zu erkennen.

Die Informationen zur Prüfung der Bonität kommen aus zahlreichen Quellen. Interne Daten finden KMUs im eigenen Rechnungswesen oder von Informationen aus der Kundenbetreuung. Weitere Informationen beziehen Sie von öffentlich zugänglichen Quellen wie dem Internet, Medienberichten oder amtlichen Publikationen.

Beim Einbezug einer Wirtschaftsauskunftei lassen sich verdichtete Berichte mit verschiedenen Informationstiefen auswählen, die Folgendes beinhalten:

  • Bonitätsindex respektive Ampel-System zur schnellen Ersteinschätzung eines Kunden
  • Zahlungsverhalten und -verzug (wie pünktlich begleicht eine Firma ihre Rechnungen)
  • Negativmerkmale (zum Beispiel Betreibungen)
  • Firmenhistorie
  • Geschäftsgegenstand, Branche
  • Niederlassungen, Zweigstellen und Filialen
  • Beteiligungen und Konzernzugehörigkeiten
  • Bankverbindungen
  • Informationen zum Management
  • Falls vorhanden Geschäftszahlen und Jahresabschluss

Grundregel: Je höher der Lieferantenkredit ist, desto eingehender muss die Bonitätsprüfung sein.

Bonitätsprüfung: Was Sie damit machen

Es gibt Signale, die ganz klar ein «No-Go» bedeuten. Mehrere Betreibungen, massive Zahlungsverzüge und offene Lohnzahlungen, über die in den Medien berichtet wird, all das sind Zeichen dafür, diesen Kunden besser nur gegen Vorkasse zu beliefern.

Doch die Situation ist nicht immer ganz klar. Um Ihre Entscheidung abzusichern und alle Kunden einheitlich zu behandeln, brauchen Sie als Finanzchef oder -chefin eine Credit Policy. Sie regelt das Vorgehen bei der Festlegung von Kreditlimiten und Zahlungszielen gegenüber Ihren Kunden. Denn jede Einzelprüfung muss immer auch in einem größeren Kontext gesehen werden.

Als Finanzverantwortlicher sind Sie nicht nur zuständig für die Vergabe der einzelnen Kreditlimits. Sie müssen auch die Gesamtrisiken im Auge behalten. Die Summe aller Debitoren, also das Portfolio mit seiner Gesamtstruktur, seinen Risiken und seinem Umsatzpotenzial bildet den Rahmen, in dem Sie Einzelentscheidungen treffen.

Legen Sie also fest, wie viele Risiken Sie einzugehen bereit sind. Danach beurteilen Sie jeden Fall einzeln.

Wie verbessert Ihr KMU die eigene Bonität?

Als Finanzchef müssen Sie die Bonität Ihrer Kunden kennen. Aber auch über Ihre eigene sollten Sie Bescheid wissen und sie aktiv gestalten.

Mit diesen drei Tipps stellen Sie sicher, dass Ihre Firma als kreditwürdig wahrgenommen wird.

1. Eigenauskunft bestellen

Unternehmungen verlassen sich für die Bonitätseinschätzung oft auf die Dienstleistungen sogenannter Wirtschaftsauskunfteien. Sie sammeln wirtschaftsrelevante Daten und geben sie in verdichteter Form an Unternehmungen weiter, die ein berechtigtes Interesse haben. Dieses ist zum Beispiel vor einer bevorstehenden Vertragsunterzeichnung, in deren Vorfeld man mehr über den zukünftigen Geschäftspartner wissen muss, gegeben.

Als Unternehmung haben Sie das Recht, eine sogenannte Eigenauskunft zu bestellen. Darin erhalten Sie einen Überblick über die gesammelten Daten und das daraus entstehende Bonitätsrating Ihrer Unternehmung.

Mit der Eigenauskunft wissen Sie also, wie sich Ihre Bonität aus Kundensicht darstellt.

2. Positivmerkmale liefern

Bei der Berechnung Ihrer Bonität gehen Wirtschaftsauskunfteien nach dem Vorsichtsprinzip vor. Wenn nur sehr wenige Informationen vorliegen, führt das unter Umständen zu einer tieferen Bonität. Sie beeinflussen Ihre Bonität positiv, wenn Sie aktiv sogenannte Positivmerkmale liefern. Das sind zum Beispiel saubere Betreibungsauszüge oder Informationen zu Finanz- und Mitarbeiterzahlen.

3. Managen des Cash Flow

Eine zu geringe Liquidität führt zu Zahlungsengpässen und -verzögerungen. Bemerken das Ihre Geschäftspartner, verschlechtert sich Ihre Bonität und Sie erhalten weniger Kredit – ein Teufelskreis.

Mit diesen drei Maßnahmen verbessern Sie die Zahlungsströme:

  1. Beschleunigung der Zahlungsabwicklung
  2. Absicherung der Zahlungsabwicklung vor Fehlern
  3. Vermeidung von Zahlungsausfällen

 

Verringern Sie Ihre Inkassoperiode, den sogenannten DSO (day sales outstanding). Grundsätzlich gilt: Je früher Ihre Kunden zahlen, desto besser. Dabei helfen Ihnen unsere 9 Tipps für schnelleren Zahlungseingang.

Sie erhöhen die Liquidität auch durch eine Erhöhung der Kreditorenlaufzeit, den sogenannten DPO (day payables outstanding). Aber Achtung, wenn Sie die Geduld Ihrer Lieferanten zu sehr strapazieren, hat das wiederum einen negativen Einfluss auf die Bonität und damit auf die Kreditvergabe.

Wurde Ihnen schon einmal ein Kredit abgelehnt? Finden Sie heraus, wie Sie Ihren Cash Flow besser managen.